«Das Wichtigste ist, offen zu kommunizieren.»

Simona Luzi hatte 13 Jahre in der Firma ihres Vaters Valentin Luzi gearbeitet, bevor sie Anfang 2023 die Geschäfts­führung der Luzi Gerüste AG als Inhaberin übernahm. Im Gespräch erzählen die beiden von schlaflosen Nächten, ihren Charakter­unter­schieden und ihren Werten als Unternehmer­familie. Und sie sagen, wie sie die familieninterne Nachfolge gemeistert haben.

Autorin: Michelle Russi Fotos: Yanik Bürkli

Simona und Valentin Luzi besuchen eine ihrer Baustellen auf dem Arcasplatz in Chur.

Was zeichnet für Sie ein erfolgreiches Unter­nehmen aus?

Simona Luzi (SL): Einerseits eine gute Mischung zwischen strategischen Zielen, finanzieller Stabilität und zwischen­menschlichen Stärken. Andererseits eine gute Führung, geeignete Strukturen und klare Verant­wortlichkeiten.

Valentin Luzi (VL): Die Ansprüche an die Führung sind heute viel höher als vor 40 Jahren, als ich mein erstes Unternehmen gegründet habe. Denn die Markt- und Konkurrenzsituation war damals eine ganz andere.

Wie hebt man sich heute von der Konkurrenz ab?

VL: Durch Zuverlässigkeit, Qualität und Kostenkontrolle. Das Wichtigste sind die Mitarbeitenden und deren Ausbildung. Wenn du gute Leute hast und die ge­nannten Kriterien erfüllst, machst du schon vieles richtig.

SL: Das sehe ich auch so. Wir haben ein sehr engagiertes Team und viele langjährige Mitarbeitende. Sie leisten viel mehr, als in ihrer Stellen­beschreibung steht, damit unsere Projekte gelingen und unsere Kunden zufrieden sind.

Welche Werte sind Ihnen als Unternehmerin und Unternehmer besonders wichtig?

SL: Dass man zum eigenen Wort steht: Du kannst nicht A sagen und dann B machen. Ausserdem sollte man immer wieder über den Tellerrand schauen und den Dialog mit Mitarbeitenden und Kunden suchen – gerade auch, wenn einmal etwas nicht so gut läuft. Und schliesslich darf man die Freude an der Arbeit nicht verlieren, sonst fehlt irgendwann die Energie, um den Alltag zu ­bestreiten.

VL: Ich bin der Meinung, dass einem das eigene Gefühl sagt, ob man eine Unter­nehmer­persönlichkeit ist oder nicht. Im Alltag geht es häufig darum, schnelle Entscheide zu fällen. Diesen Spirit muss man mögen.

Simona, Sie waren bereits vor der Geschäftsübernahme viele Jahre im Unternehmen tätig. Wie hat sich die Firma über die Jahre verändert?

SL: In den letzten fünf Jahren ist viel gelaufen: Dank der Unterstützung meines Mannes, der Wirtschafts­informatiker und ebenfalls Mitglied der Geschäftsleitung ist, haben wir viel in die Digitalisierung und Prozess­entwicklung investiert. Was wir früher manuell abwickeln mussten, läuft heute automatisiert. Dazu gehören unter anderem das Erfassen von Tages­­rapporten, Erarbeiten von Kosten­­rechnungen oder die aufwändige Ressourcen­planung. Ohne diese Entwicklung wäre ein Wachstum, wie wir es erlebt haben, gar nicht möglich gewesen.

«Ich wollte nicht an meiner Aufgabe scheitern und meinen Papa nicht ent­täuschen.»

Simona Luzi

Valentin, per Januar 2023 haben Sie Ihr Unter­nehmen in Simonas Hände gegeben. Seither sind Sie als Verwaltungsratspräsident der Firma tätig. Was hat die Übergabe bei Ihnen ausgelöst?

VL: Mir haben damals alle gesagt, dass ich nicht loslassen könne. Für mich war aber klar, dass die Übergabe mit einer gewissen Eigenverantwortung einhergeht. Selbst­verständlich ist es mir weiterhin wichtig, dass es der Firma gut geht, und ich gebe Tipps, wenn ich gefragt werde. Gleichzeitig halte ich mich zurück und bin nicht immer präsent. Ehrlich gesagt, geniesse ich meine neu gewonnene Zeit sehr. Heute Morgen war ich beispielsweise auf einer Skitour. (lacht)

Wie war das bei Ihnen, Simona? Wie erlebten Sie die erste Zeit in Ihrer neuen Rolle?

SL: Es war eine sehr strenge Zeit mit 14-Stunden-Tagen und einigen schlaflosen Nächten. Als Bauführerin in vorherigen Unternehmen hatte ich zwei oder drei Baustellen gleichzeitig betreut, aber mein Alltag war kontrollier- und planbar gewesen. Der Gerüstbaualltag ist sehr hektisch und Einsätze sowie Änderungen sind sehr kurzfristig – oftmals läuft’s drunter und drüber. Ich musste zuerst lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterschei­den. Hinzu kam der emotionale Druck: Ich wusste nicht, ob ich es schaffen kann. Gleich­zeitig wollte ich nicht an meiner Aufgabe scheitern und meinen Papa nicht enttäuschen. Das war belastend. Geholfen hat mir, dass die Mitar­beitenden immer hinter mir standen. Ich war gut zu ihnen, und sie waren gut zu mir. Ohne diesen Zusammen­halt hätte es nicht funktio­niert.

Wann merkten Sie, dass es geht?

SL: Da gab es mehrere Schlüssel­erlebnisse, zum Beispiel immer dann, wenn wir ein herausforderndes Projekt erfolgreich abschliessen konnten. Oder Anlässe wie das Weihnachtsessen, bei denen ich die Dankbarkeit des Teams spürte. Und ich bin froh, dass wir entschieden ­haben, die Geschäftsleitung auf drei Köpfe zu verteilen. Die Zusam­menarbeit mit meinen Geschäfts­leitungspartnern Franco Jäger und Jan Koch ist eine grosse Entlastung.

Welches waren die grössten Heraus­forderungen im Nachfolge­prozess, und wie lange hat dieser gedauert?

VL: Ungefähr fünf Jahre. Mir war immer klar, dass sich nach den ersten ernst­haften Gesprächen innerhalb der Familie noch viel ändern und aus einem Ja noch ein Nein werden könnte. Wir mussten gemeinsam herausfinden, was die beste Lösung war. Ich habe drei Kinder, die anderen beiden schlugen beruflich aber einen anderen Weg ein. Dennoch gab es im Nachfolgeprozess selbstverständlich zusätzliche Fragen zu klären – etwa zum Thema Erbschaft.

Welche Rolle spielte dabei die GKB? Wie würden Sie die Zusammen­arbeit beschreiben?

SL: Die GKB ist seit 41 Jahren unsere Hausbank und hat uns auch in der Nachfolgeplanung sehr stark unter­stützt. Wir schätzen es, dass wir persönliche Berater haben, die wir jederzeit direkt kontaktieren können. Einmal pro Jahr sitzen wir zusammen und schauen uns die Zahlen, die aktuelle Marktlage und unsere Ent­wicklung an. Zudem spüren wir, dass die GKB an unser Geschäft glaubt. Für diese Loyalität sind wir dankbar.

Haben Sie andere Optionen für die Nachfolge geprüft?

VL: Ja, denn wir mussten in Betracht ziehen, dass wir keine familieninterne Lösung würden finden können. Deshalb haben wir Varianten geprüft und uns Zeit gelassen. Es gab auch externe Angebote, auf die wir aber nicht eingegangen sind.

«Mir war immer klar, dass nach den ersten ernsthaften Ge­sprächen innerhalb der Familie aus einem Ja noch ein Nein werden könnte.»

Valentin Luzi

Valentin Luzi

Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit eine familieninterne Nach­folge gelingt? Welches sind die Vorteile, welches mögliche Stolper­steine?

VL: Das Wichtigste ist, offen zu kommunizieren. Es ist schön, wenn das Geschäft in der eigenen Familie bleibt. Es macht mich stolz.

SL: Innerhalb der Familie kann man einander auch einmal Dinge sagen, die sonst zu weit gehen würden. Man steht sich näher. Das birgt gleichzeitig das Risiko, sich zu verzetteln. Ich denke, dass unser Papa das sehr gut gemacht hat. Er sprach mit uns drei Geschwistern immer ehrlich, sodass wir seine Entscheidungen nachvollziehen konnten.

VL: Bewährt hat sich in unserem Fall auch, dass wir einen externen Berater zu Fragen rund um die Erbschaft beigezogen haben. Es war eine unabhängige Fachperson, die wir als Familie nicht gekannt hatten und mit der alle offen über ihre Bedürfnisse sprechen konnten.

Valentin, Hand aufs Herz: Gab es Entscheidungen der neuen Geschäfts­leitung, die Sie anders getroffen hätten?

VL: Ja, die gab und gibt es. Aber das ist überall so und auch in Ordnung. Man muss sich raushalten, denn meistens kommt es gut raus. (lacht)

Und wie ist das bei Ihnen, Simona? Wie wichtig ist Ihnen die Unter­stützung durch Ihren Vater heute noch?

SL: Die ist mir wichtig, denn wir stehen uns emotional nahe und er war immer für mich da. Klar, wir hatten viele Diskussionen, aber ich kann ehrlich sagen, dass Papa ein guter Trouble­shooter ist. Er kann sachlich und emotional besser unterscheiden als ich. Ausserdem ist er nie nachtragend. Ihm geht es immer um das Wohl der Firma.

VL: Dass du emotionaler bist als ich, sehe ich nicht als Nachteil: Du hast ein ganz anderes Gespür für Menschen und Situationen. Das ist enorm wertvoll.

Welche Eigenschaften als Unter­nehmerin res­pektive Unternehmer schätzen Sie am anderen?

SL: Er steht zu seinem Wort, auf ihn ist Verlass und er packt die Dinge an. Zudem entscheidet er am Ende auch mit dem Herzen, nicht nur mit dem Kopf.

VL: Sie liebt Menschen, ist sehr fleissig und sie prüft die Dinge sorgfältig, bevor sie einen Entscheid fällt.

Zum Schluss: Welche drei Rat­schläge geben Sie anderen KMU, die vor einem Generationen­wechsel stehen?

SL: Auf eine offene, ehrliche Kommu­nikation setzen – gerade auch intern gegenüber den Mitarbeitenden –, sich gut überlegen, ob man den Generationen­wechsel wirklich will, und sich eine verlässliche Partnerin wie die GKB suchen. Und: Die Freude nicht verlieren!

Simona Luzi
Simona Luzi, Jahrgang 1986, ist Geschäftsinhaberin der Luzi Gerüste AG. Nach ihrer Ausbildung zur Bauführerin ist sie in das Unternehmen ihres Vaters Valentin Luzi als Geschäftsführerin eingestiegen. 2023 übernahm sie den kompletten Betrieb.
Valentin Luzi
Valentin Luzi, Jahrgang 1957, ist Verwaltungs­rats­präsident der Luzi Gerüste AG. Der dipl. Baumeister arbeitete zunächst in ver­schie­denen Unternehmen, ehe er seine eigene Baufirma in Cröt im Avers gründete und später in Zillis fortführte. 2001 erfolgte die Gründung der Gerüst­bauunter­nehmung in Cazis.

Über die Luzi Gerüste AG

Die Luzi Gerüste AG ist ein auf Gerüstbau spezialisiertes Unter­nehmen mit Hauptsitz in Cazis. Neben Fassaden­gerüsten erstellt die Firma Brücken­gerüste, Notdächer, Spezial­gerüste und Eventbauten. Die Luzi Gerüste AG wurde 2001 von Valentin Luzi gegründet. Heute hat das Unter­nehmen mit Mels, St. Gallen und der Tochtergesellschaft Gerüstbau AG in Liechtenstein drei weitere Standorte und beschäftigt rund achtzig Mitar­beitende. Während der Hauptsaison – von Mai bis Oktober – sind jeweils zusätzlich vierzig Saison­angestellte auf den Baustellen im Einsatz.

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Optionen für die Unter­nehmens­nachfolge

Neben einer familieninternen Nachfolgelösung gibt es für Unternehmen auch familienexterne Optionen:

  • Familienunternehmung mit externem Geschäftsführer / externer Geschäftsführerin
  • Mitarbeiterbeteiligungsprogramm
  • Verkauf an Dritte (Aussenstehende)
  • Fusion mit einem anderen Unternehmen

Mehr zum Thema «Nachfolge­planung» erfahren Sie im Interview mit unserem Fachexperten Roger Lüdi in diesem Magazin.

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Interview mit Roger Lüdi
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